STEFFIS KOLUMNE


STEFFIS KOLUMNE
Allein Daheim und andere Beobachtungen.

In den letzten Monaten war ich davon überzeugt, mich mit Corona nicht zu infizieren. Von wegen Blutgruppe und so. Und immer wiederkehrender negativer Testungen über einen langen Zeitraum.

Tja, da wurde ich wohl eines besseren belehrt: Plötzlich war da der zweite Strich!

Ich hatte kurioserweise in den letzten Monaten noch darüber philosophiert, wie ich denn eine Quaratäne wegstecken würde. Wer für mich einkauft. Ob ich nicht am Rad drehe in der Bude. Und ganz wichtig: Wie mein Verlauf ist.

Nun musste ich in die Isolation und ehrlich gesagt war mir etwas mulmig. Ihr kennt das bestimmt: Man beobachtet sich 24 Stunden am Tag.

Zum Glück war hier alles tipptopp, außer Schnupfen und Müdigkeit keine nennenswerten Komplikationen.

Meine Einkaufswünsche wurden täglich erfüllt.

Ein Balkon ist vorhanden.

Das Wetter war toll. So konnte ich in der Sonne sitzen und war ohne Komplikationen prädestiniert.

Ich hätte auch niemanden in meine heiligen Hallen lassen müssen, das fand ich cool.

Meine Sorgen, dass ich hier verdurste oder verhungere, lösten sich in Schall und Rauch auf.

Meine Sorgen, dass ich hier vereinsame, auch.

Whatsapp und Facebook rettete mich über den Tag. Auch das Fernsehprogramm. Und der Schlaf.

Mein Schnitt war in den acht Tagen über 10 Stunden in der Nacht. Da sind die Mittagsschläfe nicht mit eingerechnet.

Bist Du in Quarantäne, dann musst Du Dich nicht aufbrezeln.

Duschen – Haare an der Luft trocknen lassen – kein Make up und aussehen wie Karl Napp.

Echt doof, wenn dann ein Kollege per Videoanruf Kontakt aufnimmt.

An Tag 8 wäre ich gerne mal Einkaufen gegangen. Einfach mal raus aus der Bude. Leider, leider war da mein Test noch positiv.

An Tag 10 fuhr ich dann in ein Testzentrum und siehe da:

Negativ!

Ich war 2 Stunden Einkaufen, habe das echt so genossen. Und ich war dankbar, dass ich ohne schwerwiegende Folgen dazu in der Lage war.

Mein Einkaufswagen war voller Köstlichkeiten, ich hätte jeden Kunde und jeden Kassierer und jeden Artikel knutschen können.

Nun gut, vielleicht etwas viele Lebensmittel hier für 1 Person, aber ich lasche das schon weg die Tage.

Aus der Bude zu eumeln, das ist schon toll. ^^


Von Promis aus dem Fernsehen und Frauen aus Spandau.

Letztes Wochenende war es endlich soweit, ich konnte mein Geburtstagsgeschenk zum 50. Geburtstag einlösen. Die Jubiläumsshow eines namhaften Comedian in Berlin auf der Waldbühne. Also den Turnbeutel gepackt und per Zug ab in die Hauptstadt. Ich erwähnte sicherlich irgendwann schon einmal, dass ich mich beim ersten Besuch in Berlin auch gleich Hals über Kopf in diese Stadt verliebt habe. So war meine Freude bei der Ankunft am Bahnhof auf dem Höhepunkt.

 

Nach dem einchecken im Hotel ging es dann auf Streifzug, welcher auf einem Schiff endete. Eine Fahrt auf der Spree. Herrlich! Die Sonne brannte vom Planeten und ich war glückselig 😉

 

Ein netter Herr servierte Getränke, ein anderer netter Herr erklärte alles was links und rechts zu sehen war. Ihr kennt das.

 

Der freundliche Herr am Mikrofon machte kurz Pause und verschwand. Bis hierher nichts außergewöhnliches.

 

Dann kam er wieder, tippte auf meine Schulter und fragte:

 

„Entschuldigung, kann es sein, dass ich Sie aus dem Fernseh kenne?“

 

Ich war wie vom Donner gerührt und verneite.

 

Dann erklärte er, dass er und der nette Herr mit den Getränken sicher gewesen sind, ich sei Ulrike von der Groeben.

 

In diesem Moment war ich gefühlte 2,50 m groß und der Tag war gerettet.

 

Ich gebe zu, die Ulrike gleich gegoogelt zu haben. Nun gut, ich wäre froh wenn ich halbwegs so aussehen würde wie Ulrike und Sendungen moderieren könnte quasi.

 

Einen Tag später bei der Fahrt im Taxi von der Waldbühne Berlin zurück in die Stadt dann der nächste Brüller. Ein echt netter Texifahrer, ich saß vorne. Ich lasse jetzt mal die Geschichte weg vom dem Ehepaar, welches auch im Taxi mit uns saß. Und … ach, lassen wir das.

 

Der Taxifahrer war sehr gesprächig und erzählte dann, dass bei uns (!!!) in Spandau viel gebaut wird. Jetzt musste ich die Kurve kriegen und erzählte ganz belanglos, dass ich aus einer Kleinstadt in Niedersachsen komme. Aus einer Kleinstadt, in der man die Polizisten mit Name kennt. Und in der man Strecken von 5 km nach Partys zu Fuß geht, gerade wenn man auf einem Dorf aufgewachsen ist.

 

Daraufhin er:

 

„Du kommst doch aus Spandau, ich habe Dich hier doch schon gesehen!“

 

Und ich so:

 

„Nee, nicht wirklich.“

 

Scheinbar habe ich ein Allerweltgesichts.

 

Ich habe mich innerlich abgerollt als es im Auto plötzlich stank wie im Schweinestall. Und denke mir so:

 

„Zwei Frauen im Auto und der pfurzt wie Bolle! Gut, dass das Ehepaar schon ausgestiegen ist, es hätte sonst die Situation noch dramatisiert.“

 

Ich konnte das würgen am Höhepunkt des Gestankes gekonnt unterdrücken.

 

Bis er dann erwähnte:

 

„Da ist `ne Kläranlage im Ort.“

 

Gelächter in der Bude und Erleichterung.

 

Und die Moral von der Geschicht: Vom Fernseh und aus Spandau bin ich nicht. ^^


Eine Spendenaktion mit ganz vielen Emotionen.

 

Das Geld ist gezählt, die Kuchenplatten wieder bei Ihren Bäckerinnen. Der Müll ist weggeräumt, der Bierwagen wurde abgeholt. Der Parkplatz vor dem REWE-Markt wirkt mittlerweile wieder so, als wäre dort heute überhaupt nichts passiert. Aber es ist in knapp fünf Stunden so viel passiert.

Alle Helferinnen und Helfer sind glücklich, aber auch müde. Und stolz. Stolz auf eine Spendensumme von 2500 Euro! Stolz auf so viele helfende Hände, Sponsoren und natürlich auch die Menschen, die heute der Aktion gefolgt sind und verantwortlich für die erreichte Spendensumme.

Innerhalb weniger Tage wurde diese Aktion geplant. Und wieder, wie auch schon im letzten Jahr in Bezug auf die Flutopferhilfe, fand sich schnell ein Helferteam und stellte in einem knappen Zeitfenster erneut eine Spendenaktion auf die Beine.

 

Es war ein ergreifender Tag mit einem stellenweise großen Kloß im Hals und auch Tränen in den Augenwinkeln. Weil es heute eine Begegnung gab und eine Situation, die vielen unter die Haut und ans Herz gingen.

Die zwei Herren aus Calden-Westuffeln und Ostheim, welche das gesammelte Geld erhalten sollen, waren heute auch Gäste in Uslar. Herr Rudert und Herr Rüddenklau hatten sich gestern gemeldet und ihren Besuch angekündigt. Weil sie von der Berichterstattung im Vorfeld wohl doch sehr beeindruckt waren.

Da standen sie nun auf dem REWE-Parkplatz, und es ging recht schnell, dass sie mit den Uslarern in Gespräch kamen. Zwei durchaus unkomplizierte Menschen, die schon so lange so viel bewegen.

Ich gehe davon aus, dass die eine Dame die Ehefrau einer der beiden Hessen war. Tja, und als wir gefragt wurden ob wir Englisch sprechen, nahmen uns die Beiden mit zu einer jungen Frau mit zwei kleinen Kindern am Rand stehend. Es war eine Ukrainerin, welche geflohen war. Und durch einen schon bestehenden Kontakt zwischen Herrn Rudert, Herrn Rüddenklau und ihrem Schwiegervater nun in Sicherheit ist. Die junge Mutter bedankte sich bei uns und nahm uns auch in den Arm. Das war schon ein ergreifender Moment.

 

Als wenig später Hans-Georg Gloger die ukrainische Nationalhymne auf der Ukulele spielte, war Stille. Mit dem Wissen, dass ein paar Meter weiter von uns zwei kleine Kinder stehen (das jüngste Kind keine drei Jahre alt, der ältere Junge nur wenig älter), welche sich von ihrem Vater trennen mussten, und eine Ehefrau von ihrem Mann. Weg von zu Hause, weg von Familie und Freunden. Das ging total unter die Haut. Einige konnten auch ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Diese Begegnung heute hat das ganze Drama so real gemacht, es ist schwer in Worte zu fassen.

Es wurde aber heute auch gelacht und viel miteinander geredet. Was einem einfach guttat in diesen Zeiten. Denn auch die Pandemie hat vielen von uns einiges abverlangt und tut es noch immer.

 

Als alle mehr oder weniger müde den Heimweg antraten, war aber auch Zufriedenheit zu spüren. Zufriedenheit darüber, dass wir hier in Uslar mit anpacken wenn es um etwas geht. Und dass wir in einer Kleinstadt gut vernetzt sind, eben weil wir uns größtenteils kennen.

 

Das Internet mag manchmal ein Fluch sein, aber bei Aktionen wie der heutigen ist es ein Segen. Denn die Planung und alles weitere nahm bei Facebook an Fahrt auf.

Man kann nur Danke sagen an all die Sponsoren und Unterstützer, an die Gäste und an die helfenden Hände. Aber auch an Menschen wie beispielsweise Herrn Rudert und Herrn Rüdenklau, die sich schon so lange engagieren. Und alle anderen, die dieser Tage so vieles bewegt und bewirkt haben. Gerade im Uslarer Land.

 

Die junge Mutter mit den kleinen Jungs wird heute und vielleicht auch in naher Zukunft noch vielen von uns im Gedächtnis bleiben. Sie steht für so unendlich viele Menschen und Geschichten in diesem Krieg.

 


Schreiben ist manchmal wie Medizin.

 

Wenn man Dinge, die einen beschäftigen, in Worte fassen kann per Stift oder Tastatur: Mir geht es dann immer ein bißchen besser.

 

Wisst ihr, eigentlich haben wir schon echt viel erlebt. Gerade in Bezug auf historische oder monumentale Ereignisse das Weltgeschehen betreffend.

 

Ganz viele tolle und positive Dinge, aber eben auch das Gegenteil.

 

Der gestrige Tag hat mich total aus der Bahn geworfen. Am Abend saß ich heulend in meiner Küche und dachte:

 

„Noch nie in meinem fast 52-jährigen Leben habe ich so konzentriert Angst erlebt wie in den letzten zwei Jahren.“

 

Diese Angst hat mich gestern extrem müde gemacht. Und dünnhäutig. Vielleicht auch sentimental. Meine Stimmung war niedergeschlagen.

 

Ich weiß, ich weiß, das Glas ist halb voll. Nicht halb leer. Think positive 🙂

 

Eigentlich gibt es keinen Grund zu klagen. Wir haben ein Dach über dem Kopf, leben in Sicherheit. Wir haben tolle Freunde, sind gesund. Wir leben nicht in Armut, wir haben alles was wir brauchen und so viel mehr.

 

Aber gestern war ich echt fertig mit der Bereifung und hatte fast schmerzlich Sehnsucht in meine Jugend. In die 80er Jahre. Hier lief ein Song nach dem nächsten aus diesem Jahrzehnt. Es war wohl die Sehnsucht nach Unbeschwertheit. Als alles noch in Ordnung war und alle an Bord auf unsere Familien bezogen.

 

Nun aber sitzen wir zwei Jahre in einer Pandemie fest, teils ist unser Leben umgekrempelt. Aber wir haben ja Fuß gefasst mit der Situation. Mehr oder weniger. Mal besser und mal schlechter.

 

Aktuell hatte mir gestern der Konflikt in Europa den Rest gegeben. Und Angst gemacht. Mal wieder Angst. Mein Fass war voll.

 

Man sorgt sich ja auch um die Familie, besonders um die Kinder. Aber auch um die Geschwister. Auch Freunde. Und Kollegen.

 

Das hat mich gestern maßlos überfordert. Und mir so viel Positives genommen.

 

Wut und Unverständnis kommen auf, wenn gerade in den sozialen Netzwerken Menschen mit Lachsmilys Berichte über Krankheit, Tod oder Krieg kommentieren. Gepaart mit erbärmlichen Statements.

 

Ich empfinde die momentane Zeit als keine leichte Zeit. Und noch nie war ich so gefordert hinsichtlich meiner Toleranz. Und meiner positiven Denkweise.

(Quelle Bild: Pixabay)



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