Der Mauerbau

Auch wenn der Mauerbau nicht direkt etwas mit Lauenförde zu tun hatte, gehört er zur Geschichte, dessen Folgen auch den einen oder anderen Lauenförder betraf. 


Ein Zeitzeuge erinnert sich - Der Fall der Mauer

Es war Donnerstag, der 09.11.1989, GÖTTINGEN, Zieten-Kaserne, ca. 19:25 Uhr : NATO-Alarm war am laufen und ich saß in meinem Büro um die befohlenen Maßnahmen aus dem Alarmkalender umzusetzen.

Plötzlich ging die Bürotür fast einbruchartig auf, ein Stabsunteroffizier von mir kam aufgeregt herein und sagte überhastend und außer Atem: "Herr Hauptfeldwebel, die Grenze ist auf"! Ich schaute ihn mehr als fragend an, konnte nicht glauben, was er sagte und musste mich erst einmal sammeln.

Ich ging zur Kompanie um mit dem Kompaniechef Kontakt aufzunehmen und war mir sicher, dass alles Innendienstpersonal der Kompanieführungsgruppe sich im Fernsehraum befand. So war es auch. Ich kam zur Eingangstür herein und bereits im Flur hörte ich viele Männerstimmen durcheinander reden und ein Fernsehgerät sehr laut immer wieder berichten: Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros der SED hatte  während einer  Pressekonferenz vor Journalisten auf Nachfrage fast beiläufig erklärt, dass es jedem Bürger der DDR möglich sei,  über Grenzübergangspunkte aus der DDR auszureisen. Nachfrage: "Ab wann?" "Ab sofort", war die Antwort von G. Schabowski.

 

Der NATO-Alarm wurde abgebrochen. Wir warteten höhere, anderweitige Befehle ab. Am nächsten Morgen bekam ich den Auftrag, in die Turnhalle zu gehen. Hier seien Bürger der DDR über Nacht untergebracht worden, die das alles sofort wörtlich genommen  und die DDR fast fluchtartig verlassen hatten. Denn man war sich überhaupt nicht sicher, ob diese Aussage des G. Sch. nicht doch irgendwie später wieder zurückgenommen oder anders ausgelegt würde. Ich sollte mich um die Logistik, insbesondere um die Verpflegung der Menschen kümmern. Einige, etwas verängstigte DDR-Bürger saßen dort in der Turhalle, die eigentlich für eine Rahmenübung, die am Montag beginnen sollte, vorbereitet war. Wie ich die Situation sah, so zeigt das Foto. Ich wusste, was hier passierte ist Deutsche Geschichte.


Die Halle war später fast gefüllt und am Sonntag kam die große Trabbi-Caravane von der Duderstädter Grenze nach GÖTTINGEN einfließend. Ein furchbarer Gestank, aber nur glückliche Menschen in der Innenstadt von GÖTTINGEN. Die meisten Geschäfte hatten geöffnet. Das Rasthaus war ebenfalls offen und jeder Bürger der DDR bekam ein Begrüßungsgeld von 100 DM. In der Turnhalle gab es Wiedersehenszenen aber auch Streit. Denn ab und an kam ein Bürger der DDR herein, der bekanntermaßen bei der Stasi war. Der wurde nicht gerade bejubelt.


Die Menschen in der Turnhalle blieben mindestens 1 Woche. Sie suchten sich in und um Göttingen Arbeit und eine Wohnung. Da der Ausreiseerlass nicht rückgängig gemacht wurde, gingen auch einige wieder in die DDR zurück.

Rudolf Steingrebe


DER FLUCHTWEG NACH BERLIN IST ABGESCHNITTEN

13. August 1961

Mit Rückendeckung des gesamten Ostblocks hat die Sowjetzonenregierung in der Nacht zum 13.8. den Fluchtweg nach Berlin endgültig abgeschnitten.

Schwerbewaffnete Einheiten der Volksarmee und der Volkspolizei haben kurz nach 1:30 Uhr die Sektorengrenzen und die Zonengrenzen um Westberlin abgeriegelt. Kein Einwohner der Sowjetzone und Ostberlins kann mehr unkontrolliert nach Westberlin gelangen. Der S- und U-Bahnverkehr ist unterbrochen, stellenweise wurde Stacheldraht gezogen und das Pflaster aufgerissen.

Pressemeldung vom 13.August 1961

 

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